Verein „VergissMichNicht“ schenkt betroffenen Familien kostenlose Erinnerungen an still geborene Kinder
Seit mittlerweile vier Jahren ist der Vorarlberger Verein „VergissMichNicht“ zur Stelle, wenn das Unvorstellbare eintritt: Wenn Kinder während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt versterben, halten die ehrenamtlichen Fotografen des Vereins Erinnerungen fest. Diese sogenannten Sternenkinder bekommen durch liebevolle Bilder einen Platz im Leben und in der Erinnerung ihrer Familien.
Insgesamt 134 Einsätze zählte der Verein bislang – das bedeutet im Schnitt alle zehn Tage eine stille Geburt, bei der die Fotografen auf Wunsch der Familien kostenlos dokumentieren. Am Freitag wurde im vorarlberg museum das vierjährige Bestehen mit einer Gedenkveranstaltung gewürdigt.
Stille Geburt statt Stille im Kopf
„Sternenkinder“ – so nennen betroffene Eltern ihre verstorbenen Kinder. Die Bezeichnung vermittelt Würde, Trost und Licht in der Dunkelheit. Im medizinischen Sprachgebrauch hingegen ist noch immer von „Fehlgeburt“ oder „Abort“ die Rede – Begriffe, die bei vielen als kalt empfunden werden. Der Verein möchte hier nicht nur helfen, sondern auch Bewusstsein schaffen.
Die 22 Vereinsmitglieder – größtenteils ausgebildete Fotografen – stehen in Vorarlberg allen Spitälern zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit Hebammen, Ärzten und der Selbsthilfegruppe Sternen-Klar leisten sie emotionale und praktische Hilfe in einem der schwierigsten Momente des Lebens.
VergissMichNicht-Ehrenobfrau Angelika Kratzer blickte in ihrem Beitrag zurück auf die Entstehung der Sternenkinder-Fotografie in Vorarlberg. Foto: Frederick Sams
Anerkennung und neue Impulse
Bei der Veranstaltung betonte Obmann Andreas Uher die Kraft von Bildern als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Auch Primar Michael Rohde und Hebamme Bernadette Brieskorn schilderten in einer Diskussionsrunde, wie sehr sich das Angebot bewährt hat. Die Erinnerungsbilder ermöglichen Familien, das verstorbene Kind in ihre Geschichte einzubetten – auch für Geschwisterkinder oft ein wichtiger Baustein der Trauerarbeit.
Ein emotionaler Höhepunkt war die Präsentation des Kunstwerks „Kunst für die Ewigkeit“ von Maribel Rico, selbst Schwester eines Sternenkinds. Das Bild wurde mit großer Anteilnahme aufgenommen und wird künftig in der Öffentlichkeitsarbeit des Vereins eingesetzt. Fünf signierte Reproduktionen werden versteigert – der Erlös kommt dem Verein zugute.
Ein neues Informationsvideo gibt Einblicke in die einfühlsame Arbeit des Teams und soll helfen, betroffenen Familien die Entscheidung für Erinnerungsbilder zu erleichtern.
Factbox: Sternenkind-Fotografie in Vorarlberg
- Verein: VergissMichNicht – Sternenkinder-Fotografie
- Einsätze: 134 seit Gründung vor vier Jahren
- Mitglieder: 22 ehrenamtliche Fotografen
- Kosten: Kostenloses Angebot für betroffene Familien
- Einsatzgebiet: Alle Vorarlberger Krankenhäuser
- Hintergrund: Jährlich bis zu 12.000 Sternenkinder in Österreich
- Weitere Infos: www.vergissmichnicht-fotografie.at