Gsibergerin der Woche: Die Schreibtrainerin Eva Maria Dörn aus Schlins

Eva Maria Dörn aus Schlins. Foto: Bandi Koeck

Wortkunst an der Haltestelle – Porträt der Schreibtrainerin Eva-Maria Dörn

Im Walgau wird Kunst zum Erlebnis – und Schreiben zur Einladung, genauer hinzuschauen.

Die Schreibtrainerin Eva-Maria Dörn aus Schlins ist eine Frau der leisen, aber eindringlichen Worte. Seit ihrer Kindheit begleitet sie das Schreiben, zunächst nur für die Schublade. Doch ein Literaturwettbewerb Ende der 1990er-Jahre in Lorüns veränderte alles: „Ich habe mich getraut, meine Gedanken öffentlich zu machen – und gleich den ersten Preis gewonnen.“ Seitdem lässt sie das Schreiben nicht mehr los – und sie andere auch nicht.

Denn Eva-Maria Dörn versteht es, Menschen für das Schreiben zu begeistern – und das nicht nur in klassischen Schreibwerkstätten. Als Kunsttherapeutin arbeitete sie viele Jahre mit Kindern, schrieb kleine Theaterstücke und organisierte mit ihnen Straßenperformances. Später absolvierte sie Ausbildungen in Kunsttherapie und Schreibpädagogik. Heute leitet sie Schreibwerkstätten zu den verschiedensten Themen, mit einem Ziel: Menschen zum Ausdruck ihrer inneren Welt zu ermutigen.

Aktuell bringt sie ihre Leidenschaft in das Projekt „Haltestelle Kunst“ ein – eine Kooperation von „Kultur im Walgau“ mit 14 Gemeinden der Region. Gemeinsam mit bildenden Künstlern werden in öffentlichen Bushaltestellen großformatige Bilder ausgestellt, die durch QR-Codes mit literarischen Texten verknüpft sind. Diese Texte entstehen durch Schreibimpulse von Dörn selbst und werden von regionalen Autorinnen und Autoren beigesteuert. Bei einer Schreibwerkstatt wurden die Bilder ausgelost, um gleiche Chancen und kreative Überraschungen zu garantieren.

Was dieses Projekt so besonders macht, ist die Verbindung von Alltag und Kunst. Wer in Nüziders, Bludesch oder Thüringen auf den Bus wartet, entdeckt plötzlich ein Bild – und kann via Smartphone einen Text lesen, der dazu entstanden ist. Kunst wird so mitten im Alltag sichtbar und spürbar. Im Juni folgt dann der Höhepunkt: eine Lesung aller Texte und die Präsentation der Originalwerke im Pfarrheim von Satteins.

Was Eva-Maria Dörn antreibt, ist der Wunsch, dass Menschen ihre Stimme finden – egal ob durch Gedichte, Prosa oder spontane Einfälle. Sie teilt ihr Wissen großzügig, strukturiert mit Mindmaps, Clustering und lyrischen Formen wie Elfchen oder Schneeballgedichten. Und doch lässt sie viel Raum für Individualität. „Das Wichtigste ist, dass der Autor hinter seinem Werk stehen kann“, sagt sie.

Auch privat lebt Dörn die Liebe zur Sprache. Ihre neunjährige Enkeltochter Nele beginnt bereits, eigene Bücher zu schreiben – wenn auch bislang nur mit einem halben Tag Durchhaltevermögen. Eva-Maria Dörn lacht – und fördert das Talent mit Herz und Hingabe. Denn sie weiß: Schreiben kann heilen, verbinden und öffnen. Genau wie ein gutes Kunstprojekt, das dort beginnt, wo niemand damit rechnet – an einer Haltestelle.


FACTBOX: Eva-Maria Dörn & „Haltestelle Kunst“

📍 Projekt: „Haltestelle Kunst“
📆 Zeitraum: April bis Juni 2025
🖼️ Beteiligte: 14 Gemeinden im Walgau
🎨 Inhalte: Kunstwerke an Haltestellen mit QR-Codes zu literarischen Texten
📚 Leitung Schreibwerkstätten: Eva-Maria Dörn
📍 Abschlussveranstaltung: Lesung & Ausstellung im Pfarrheim Satteins, Juni 2025
🔗 Organisation: Kultur im Walgau
📍 Weitere Infos: www.kultur-im-walgau.at (geplant)

✍️ Eva-Maria Dörn: Schreibpädagogin, Kunsttherapeutin, Autorin
📍 Wohnort: Schlins
📖 Lieblingsprojekt: Schreibimpulse im Alltag sichtbar machen
🎯 Ziel: Menschen zum Schreiben und Denken anregen, Kunst nahbar machen

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